Berliner Naturgenuss: Vom Orankesee über den Faulen See zum Obersee


Eine entspannte Wanderung auf den Grünen Hauptwegen

Strandbad Orankesee © SpioncinosuBerlino 2026

Berlin ist bekannt für seine lebendige Kulturszene, historische Sehenswürdigkeiten und das pulsierende Großstadtleben. Doch die Hauptstadt kann auch ganz anders: ruhig, grün und überraschend naturnah.

Wer dem Trubel der Innenstadt für einige Stunden entfliehen möchte, findet im Nordosten Berlins eine abwechslungsreiche Spazier- und Wanderroute entlang der Grünen Hauptwege. Die Strecke verbindet den Orankesee mit dem Naturschutzgebiet Fauler See und dem malerischen Obersee – eine perfekte Mischung aus Naturerlebnis, Erholung und sommerlichem Badespaß.

Oranksee nach einem Wasserbomben-Gewitter © SpioncinosuBerlino 2026

Startpunkt: Der Orankesee – Berlins grüne Oase

Unsere Tour beginnt am Orankesee im Stadtteil Alt-Hohenschönhausen. Der kleine, etwa sieben Hektar große See wirkt wie ein verstecktes Naturparadies mitten in der Stadt. Umgeben von alten Bäumen, gepflegten Uferwegen und ruhigen Wohnstraßen bietet er sofort das Gefühl, weit weg vom Großstadtlärm zu sein.

Besonders an warmen Tagen zieht es viele Berlinerinnen und Berliner hierher. Kein Wunder: Das traditionsreiche Orankesee-Stadtbad zählt zu den beliebtesten Freibädern im Osten der Stadt. Mit seinem feinen Sandstrand, Liegewiesen und dem klaren Wasser erinnert es eher an einen kleinen Badesee in Brandenburg als an ein Stadtbad innerhalb Berlins.
Wer die Wanderung entspannt beginnen möchte, kann sich zunächst am Kiosk mit einem Kaffee oder einem kühlen Getränk versorgen. Auch für eine kleine Stärkung vor dem Aufbruch ist gesorgt.

Oranksee © SpioncinosuBerlino 2026

Orankesee Terrasse

Kulinarisch sehr beliebt ist auf jeden Fall das Restaurant und Biergarten Orankesee Terrasse mit direktem Blick auf den See. Mit seinen Tischen fast auf das Seeufer lässt es eine Tradition wieder aufleben, die bis in die wilhelminische Ära zurückreicht.

Hier stand 1892 ein Brauhaus, das Ausflügler und Anwohner des neu entstehenden Villenviertels versorgte. Später in der Weimarer Republik wurde es renoviert und erweitert und kannte ab 1929 seine Blütezeit als die legendäre „Orankesee-Terrasse“. Der Komplex, der Platz für bis zu 5.000 Personen bot, wurde vom Theaterdirektor Wilhelm „Heiden“-Heinrich entworfen und beinhaltete eine schwimmende Terrasse für Weinproben. Zudem war er eng mit dem nahegelegenen Freibad (dem „Wannsee des Ostens“) verknüpft.

Neue Schilder zeigen Wanderwege in Berlin © SpioncinosuBerlino 2026

Auf den Grünen Hauptwegen unterwegs

Die Grünen Hauptwege bilden ein weit verzweigtes Netz von Wanderstrecken durch Berlin. Sie verbinden Parks, Wälder, Seen und Naturräume miteinander und zeigen die Hauptstadt von ihrer überraschend grünen Seite.

Vom Orankesee führt der Weg zunächst entlang ruhiger Wohngebiete und kleiner Grünanlagen Richtung Fauler See. Die Strecke ist gut ausgeschildert und eignet sich hervorragend für Familien, Freizeitsportler und Genusswanderer. Steile Anstiege oder schwierige Passagen gibt es hier nicht. Stattdessen wechseln sich schattige Wege, offene Wiesen und naturnahe Abschnitte angenehm ab.

Schon nach kurzer Zeit verändert sich die Atmosphäre. Die Bebauung tritt in den Hintergrund, Vogelstimmen werden lauter und die Natur übernimmt die Regie.

Fauler See © SpioncinosuBerlino 2026

Das Naturschutzgebiet Fauler See – ein verborgenes Naturjuwel

Der Faule See gehört zu den weniger bekannten Naturorten Berlins. Gerade deshalb besitzt er einen besonderen Reiz. Das Naturschutzgebiet schützt wertvolle Feuchtbiotope, Schilfflächen und Lebensräume zahlreicher Tierarten.

Der Name mag zunächst wenig einladend klingen, doch tatsächlich präsentiert sich der See als idyllischer Rückzugsort. Holzstege und Aussichtspunkte ermöglichen spannende Einblicke in die sensible Landschaft, ohne die Natur zu beeinträchtigen.

Mit etwas Glück lassen sich hier Graureiher beobachten, die regungslos am Ufer auf Beute warten. Auch verschiedene Entenarten, Libellen und zahlreiche Singvögel fühlen sich in diesem geschützten Lebensraum wohl.

Besonders reizvoll ist die Stille. Während andere Berliner Seen an sonnigen Wochenenden oft stark besucht sind, bleibt es am Faulen See meist angenehm ruhig. Wer kurz innehält und aufmerksam lauscht, hört vor allem Wind in den Bäumen, Vogelgesang und das Rascheln des Schilfs.

Schnecke © SpioncinosuBerlino 2026

Naturfotografie und kleine Entdeckungen

Für Hobbyfotografen bietet die Umgebung zahlreiche Motive. Spiegelungen auf der Wasseroberfläche, Lichtspiele zwischen den Bäumen und die vielfältige Tierwelt sorgen für spannende Aufnahmen.

Auch Kinder kommen auf ihre Kosten. Entlang der Wege lassen sich Insekten beobachten, verschiedene Pflanzen entdecken und kleine Naturabenteuer erleben. Die Strecke eignet sich deshalb hervorragend für einen Familienausflug.

Wer gerne mit offenen Augen unterwegs ist, wird feststellen, wie vielfältig die Natur in Berlin tatsächlich ist. Viele Besucher sind überrascht, wie schnell man sich hier wie auf dem Land fühlt.

Weiter zum Obersee – elegante Ruhe am Wasser

Nach dem Naturerlebnis am Faulen See führt die Route weiter zum Obersee. Der Übergang zwischen den beiden Gewässern wirkt beinahe fließend. Während der Faule See eher wild und naturbelassen erscheint, präsentiert sich der Obersee deutlich gepflegter und parkähnlicher.

Der Obersee gehört zu den schönsten Seen im Bezirk Lichtenberg. Rund um das Gewässer verlaufen breite Spazierwege, gesäumt von alten Bäumen und historischen Villen. Die Atmosphäre wirkt entspannt und fast ein wenig nostalgisch.

Viele Besucher nutzen die Uferbereiche für eine Pause auf einer Bank oder für ein Picknick im Grünen. Das Wasser glitzert zwischen den Baumkronen hindurch, während Schwäne und Enten gemächlich ihre Bahnen ziehen.

Hier zeigt sich Berlin von einer Seite, die selbst langjährige Einwohner immer wieder überrascht: ruhig, elegant und erstaunlich naturnah.

Obersee © SpioncinosuBerlino 2026

Eine perfekte Strecke für jede Jahreszeit

Die Wanderung zwischen Orankesee, Fauler See und Obersee ist nicht nur im Sommer attraktiv. Jede Jahreszeit verleiht der Route ihren eigenen Charakter.

Im Frühling verwandeln blühende Bäume und frisches Grün die Landschaft in ein Farbenmeer. Der Sommer lockt mit angenehmen Temperaturen und der Möglichkeit zum Baden. Im Herbst sorgen bunte Blätter für eine besonders stimmungsvolle Kulisse. Selbst im Winter besitzt die Strecke ihren Reiz, wenn Nebelschwaden über den Seen liegen und die Wege deutlich ruhiger werden.

Statue „ELEGIE“ am Obersee © SpioncinosuBerlino 2026

Mit einer Gesamtlänge von etwa fünf bis sechs Kilometern lässt sich die Tour problemlos an individuelle Wünsche anpassen. Wer gemütlich unterwegs ist und mehrere Pausen einlegt, sollte etwa zwei bis drei Stunden einplanen.

Erfrischung und Badespaß am Orankesee

Ein besonderes Highlight wartet zum Abschluss der Runde erneut am Orankesee. Nach der Wanderung bietet das Orankesee-Stadtbad die ideale Gelegenheit zur Erfrischung.

An heißen Sommertagen gibt es kaum etwas Schöneres, als nach einigen Kilometern zu Fuß ins kühle Wasser zu springen. Der flach abfallende Sandstrand eignet sich auch für Familien mit Kindern. Wer lieber entspannen möchte, findet auf den Liegewiesen ausreichend Platz zum Sonnenbaden.

Das gastronomische Angebot sorgt zusätzlich für Urlaubsgefühle. Eis, kalte Getränke oder ein kleiner Snack runden den Ausflug perfekt ab.

Viele Besucher kombinieren deshalb die Wanderung bewusst mit einem Badestopp und machen daraus einen entspannten Tagesausflug innerhalb der Stadtgrenzen.

Orankesee © SpioncinosuBerlino 2026

Praktische Tipps für die Oranke Tour

Für die Strecke sind keine besonderen Vorkenntnisse erforderlich. Bequeme Schuhe reichen vollkommen aus. Da viele Abschnitte schattig verlaufen, eignet sich die Route auch an wärmeren Tagen.

Wer fotografieren möchte, sollte möglichst die Morgen- oder Abendstunden nutzen. Dann ist das Licht besonders schön und die Chancen auf Tierbeobachtungen steigen deutlich.

Die Anreise gelingt bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sowohl Orankesee als auch Obersee sind gut an das Berliner Nahverkehrsnetz angebunden.

Für ein Picknick bieten sich mehrere Grünflächen entlang der Strecke an. Wichtig ist dabei, besonders im Naturschutzgebiet auf Sauberkeit und Rücksichtnahme zu achten.

Obersee © SpioncinosuBerlino 2026

Eine Kuriosität: Warum heißen diese Seen so?

Im Gegensatz zu den beiden anderen nahegelegenen Seen ist der Obersee nicht natürlichen Ursprungs. Er wurde im Jahr 1895 künstlich als Wasserreservoir für die benachbarte Hohenschönhausener Löwenbrauerei angelegt.

Seinen Namen verdankt er der Tatsache, dass sein Wasserstand etwa 1,5 Meter höher ist als der seines bekannteren Nachbarn, des Oranke-Sees.

Der Faule See und der Orankeseeentstanden während der letzten Eiszeit als natürliches Gewässer.

Die Bezeichnung des ersten stammt wahrscheinlich etymologisch vom germanischen „fule Sei“. Im heutigen Sprachgebrauch wird der Name durch die jahrzehntelange Ableitung von Regenwasser erklärt. Sie hat zu einem hohen Nährstoffeintrag und zur Bildung von typischem Faulschlamm geführt. Das Gewässer ist mittlerweile nur noch ein flacher Restsee, der reich an Nährstoffen ist.

Die Sage der Prinzessin Oranke: Um die Namensgebung des Sees rankt sich eine lokale Legende. Ihr zufolge lebte einst die norwegische Prinzessin Oranke in seinen Tiefen. Nachdem sie ihrem Wikinger-Geliebten untreu geworden war, soll sie der Sage nach bis heute in Vollmondnächten am See ihr Unwesen treiben.

Obersee © SpioncinosuBerlino 2026

Unsere Wanderung im Überblick

Der Spaziergang vom Orankesee über das Naturschutzgebiet Fauler See bis zum Obersee gehört zu den schönsten Stadtrundgängen im Nordosten Berlins. Sie verbindet Naturerlebnis, Erholung und Bewegung auf ideale Weise und zeigt eine Seite der Hauptstadt, die viele Besucher nicht erwarten würden.

Zwischen stillen Uferwegen, geschützten Feuchtgebieten und idyllischen Parklandschaften entsteht eine abwechslungsreiche Route, die sowohl Einheimische als auch Gäste begeistert. Der krönende Abschluss im Orankesee-Stadtbad macht die Tour besonders an warmen Tagen zu einem perfekten Ausflug.

Wer Berlin einmal abseits von Fernsehturm, Brandenburger Tor und Einkaufsstraßen erleben möchte, sollte diese grüne Wanderung unbedingt auf seine Liste setzen. Hier zeigt sich die Hauptstadt von ihrer entspanntesten Seite – naturnah, überraschend ruhig und voller kleiner Entdeckungen.

Wald am Fauler See © SpioncinosuBerlino 2026

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